Dresden – hier
kann man leben
Eine Einladung Zwischen Barack und Barock, so scherzhaft und treffend zugleich
habe ich die städtebauliche Situation der Stadt an der Elbe bis zur Wende
umrissen. Selbst heute noch, da wir nach vorn ins 21. Jahrhundert blicken, gibt
es aufgrund der noch vorhandenen Stadtbrachen – entstanden durch Abriss
ganzer Ruinenviertel nach dem Zweiten Weltkrieg - keine geschlossene Infrastruktur
in der Innenstadt, weder eine Umgehungsautobahn noch ein verdichtetes Zentrum,
wie es vergleichsweise Leipzig aufzuweisen hat.
Aber was für eine Lage hat diese Kulturstadt, die sich gemessen am Reichtum
von Kunst ohne weiteres mit anderen europäischen Metropolen messen kann!
Erich Kästner erinnert sich in „Als ich ein kleiner Junge war“
gern an seine Heimatstadt, in der eine große Vergangenheit und die pulsierende
Gegenwart miteinander im Einklang lebten. „Und mit der Landschaft zusammen,
mit der Elbe, den Brücken, den Hügelhängen und den Gebirgen am
Horizont ergab sich sogar ein Dreiklang: Geschichte, Kunst und Natur schwebten
über Stadt und Tal...“
Mit der Bezeichnung Kulturstadt konnte ich seit jeher Gäste und Freunde überzeugen.
Allein die Semperoper als eines der Wahrzeichen wirbt für Touristen wie ein
Flaggschiff, im Gefolge Theater wie das Schauspielhaus, die Kreuzkirche und die
Hofkirche als Auftrittsorte weltbekannter Knabenchöre – Kreuzchor und
Kapellknaben – mit sich ziehend , die nicht nur zur Weihnachtszeit Bachs
Oratorien sondern auch um Ostern oft besuchte Passionen in ihrem Programm haben.
Allein die ehrwürdige Staatskapelle, die Dresdner Philharmonie und die zahlreichen
kleineren Kammerchöre garantieren fast an jedem Wochenende Konzerte für
jeden Geschmack. Dabei will ich keineswegs unterschlagen, dass nicht nur die Liebhaber
seriöser Musik auf ihre Kosten kommen, sondern durch das internationale Dixieland-Festival
und Gastkonzerte die Fans der Rock – und Popszene kaum benachteiligt sind.
Von den Filmnächten am Neustädter Elbufer schwärmen inzwischen
nicht nur die Dresdner, die mit Kinos ausreichend versorgt sind. Und natürlich
gehört zu Dresdens Markenzeichen auch das Elbhangfest, das von Bürgern
für Bürger veranstaltet, alljährlich die Herbeiströmenden
begeistert. Ganz nebenbei erfahren die Fremden, dass vor Ort an den Hängen
von der Lößnitz bis Pirna stromaufwärts sich eines der nördlichsten
Weinanbaugebiete von Europa befindet und dieser edle Tropfen sogar mundet.
Warum sind Intellektuelle und Künstler wie der Nobel-Preisträger Günter
Blobel und der leider verstorbene Stardirigent Giuseppe Sinopoli hierher gekommen?
Die Antwort finden sie selbst, wenn sie in Dresden arbeiten und leben werden.
Steigen Sie auf einen der Türme, z. B. den Hausmannsturm im ehemaligen Residenzschloss,
auf den Rathausturm oder bald schon auf die Kuppel der Frauenkirche, die 2005
bereits fertiggestellt wird. Dann wird man auch schon am Neumarkt wohnen und einkaufen
können, dort wo eben noch emsige Archäologen die Ursprünge der
Stadt ergründeten. Die Einheimischen, zu denen Sie bald gehören werden,
wollen ein schönes Stadtzentrum aufbauen und mischen sich leidenschaftlich
in die Stadtplanung ein. Soviel wie möglich von der alten Architektur retten
– freilich mit neuen Nutzungskonzepten - heißt die Devise.
Mancherorts belächelt man die Dresdner wegen ihres Eifers : Aber was daran
ist so verwerflich, dass man mit wenigen Bauten, die nach der Bombennacht des
13. Februar 1945 in den zurückliegenden 50 Jahren rekonstruiert worden sind,
an Sachsens Glanz und Gloria erinnert ?
Nur mit Geschichte und Tradition kann man anlocken. Dresden ist kein Freiluftmuseum,
sondern verfügt auch über eine Kunsthochschule und Musikhochschule,
ganz abgesehen von der Technischen Universität und Institutionen mit überregionaler
Bedeutung wie die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek...
Wechseln Sie mit mir das Ufer: In der Neustadt, die größtenteils saniert
worden ist und in der Albertstadt ( einst ein trostloses Kasernenviertel) pulsiert
das Leben. Die Königsstraße mit ihrem Boulevard von Restaurants und
Passagen ist ebenso eine Augenweide wie die Kunsthof-Passagen zwischen der Görlitzer
und Alaunstraße. Von der Kneipenszene, den Galerien), kleinen Theatern;
Lese-Cafe´s will ich gar nicht reden. Das muss man selbst oder mit neugewonnen
Freunden entdecken.
Nach der großen Hochwasserflut 2002, die ganze Stadteile heimgesucht hat
( die äußerlichen Schäden sind kaum noch zu sehen) , wurde für
das einzigartige Areal zwischen dem Theaterplatz mit Zwinger und dem Albertinum
am Ende der Brühlschen Terrasse der Begriff Kulturquartier geprägt.
Selbst jüngere Bewohner der Landeshauptstadt wissen es kaum zu schätzen,
das hier auf engstem Raum weltbekannte Gemälde europäischer Meister
auf dichtestem Raum versammelt sind. Raffael, Rembrandt, Tizian, Dürer und
Cranach und die Schatzkammer des Grünen Gewölbes ( August des Starken
Vorzeige-Museum), aber auch Penck und große Namen der Moderne . Das können
Sie alles fast umsonst haben, sozusagen vor der Tür.
Jeder Stadtteil, ob die Gartenstadt Hellerau mit dem Festspielhaus oder die Villenviertel
in Blasewitz, Loschwitz bieten sehenswertes. Grün ist nicht nur der Große
Garten, gleich nebenan ist die Dresdner Heide, stromaufwärts können
die Dresdner, die Gemütlichkeit vorziehen, mit den historischen Raddampfern
zum Lustschloss Pillnitz und dann weiter bis in die Sächsische Schweiz schippern.
Barockschloss Moritzbug, das 1000-jährige Meißen – die Wiege
Sachsens – und Radebeul an der Sächsischen Weinstraße sind in
weniger als in einer Stunde mit dem Auto erreichbar. Es ist ja in allen Himmelsrichtungen
nicht einmal ein Radius von 50 km, den Sie kennen lernen sollten. Bald haben wir
auch eine Autobahn, die A 17, die uns in die alte europäische Metropole Prag
bringen wird. Der Flughafen in Klotzsche verbindet uns schon lange mit der übrigen
Welt.
Gehen Sie auf Erkundungen, gelegentliche Enttäuschungen eingeschlossen. Seien
Sie vorsichtig mit Ihrem Urteil, dass noch nicht alles so perfekt ist wie im Westen.
Scheinbare Nachteile können sich genauer besehen als Vorteile herausstellen.
Ich verspreche Ihnen nicht zuviel: Es lohnt sich, in der „kleinen“
Großstadt zu Hause zu sein. Denken Sie dabei auch an die Zukunft Ihrer Kinder.
Herzlich Willkommen!
Dieter Zumpe
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